Erziehung

Baby und Welpe – Zusammenleben mit Hund

schlafendes-baby-mit-welpeFür viele Kinder stehen Haustiere – insbesondere Hunde – oftmals ganz oben auf dem Wunschzettel und auch viele Eltern wünschen sich, dass die eigenen Kinder gemeinsam mit Hunden aufwachsen. Ein Hund als Haustier bringt viele Vorteile mit sich: Sie sind treu und beschützen, senken den Stresslevel und stärken die Familie und den Charakter der Kleinen. Liest man jedoch viele Forenbeiträge zum Thema „Baby und Welpe“, sind viele Eltern verunsichert und entscheiden sich oft gegen einen Welpen. Daher haben wir für euch die sympathische Bloggermama Mirja zum Thema „Leben mit Baby und Welpe“ interviewt.

Im Interview verrät uns Mirja, wie das Leben mit Kind und Hund läuft, welche Herausforderungen damit verbunden sind und wieso sie sich zur gleichen Zeit für ein Baby und einen Welpen entschieden hat. Aber lest selbst:


Leben mit Baby und Welpe

1. Liebe Mirja, stelle dich und deine Familie doch bitte mal kurz vor.

kind-mit-hund-im-waldMein Name ist Mirja (26) und gemeinsam mit meinem Mann Maximilian (26), unserer Tochter Malia (fast zwei) und unserem Husky-Rüden Makani lebe ich in einem kleinen Ort in der Nähe von Bremen. Zu uns gehört auch noch mein Islandpony-Opa Balou. Wir sind eine aktive Familie und verbringen unsere Zeit am liebsten gemeinsam bei ausgedehnten Radtouren, Spaziergängen oder Wanderausflügen in der Natur. Wir sind abenteuerlustig und gerade auf der Suche nach einem Resthof, auf dem wir mit unserer wachsenden Familie und unseren Tieren ein schönes Zuhause gestalten können. Ich bin leidenschaftliche Fotografin und teile unsere Erfahrungen und Gedanken auf Instagram (@mirja.lou) und auch auf meinem Blog.

2. Bei der Vorstellung ein Baby und einen Welpen gleichzeitig großzuziehen fällt vielen besonders ein Substantiv ein: Stress. Wieso habt ihr euch trotzdem für ein Baby und einen Welpen zur gleichen Zeit entschieden?

Das scheint tatsächlich bei vielen die erste Assoziation zu sein und ich höre diese Frage wirklich häufig, auch von anderen, unsicheren Eltern, die eigentlich gern einen Hund wollen. Tatsächlich haben wir das gar nicht so empfunden. Mein Mann und ich wollten schon lange vor dem Kind einen eigenen Hund. Wir beide sind mit Hunden mehr oder weniger aufgewachsen. In unserer ersten gemeinsamen kleinen Dachgeschosswohnung wollten wir jedoch keinen Hund halten. Als mit der Schwangerschaft nach fast vier Jahren in der Stadt auch der Umzug auf’s Land folgte war klar: nun zieht endlich ein Welpe ein. Die Entscheidung fiel damals also tatsächlich mehr für uns als für das Baby. Bedenken hatten wir keine, denn wir haben ein sicheres Netz aus Familienmitgliedern, die uns vorübergehend oder auch dauerhaft unterstützt hätten, wenn irgendetwas nicht funktioniert hätte.
Den Zeitpunkt hat letztendlich der Zufall bestimmt – eine Bekannte hatte Welpen und ich habe mich in einen verliebt – meinem Mann ging es genauso und so kam Makani drei Wochen vor dem voraussichtlichen Entbindungstermin im Alter von neun Wochen zu uns. Tatsächlich kam unsere Tochter bereits zwei Wochen später zur Welt.

3. Es gibt viele Ratgeber und Tipps, wie man das Baby am besten an den Hund heranführt. Wie habt ihr das gemacht? Hattet ihr professionelle Hilfe?

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Nein, über professionelle Hilfe haben wir gar nicht nachgedacht. Wir sind in allen Bereichen unseres Lebens sehr gefestigt und im Vertrauen. Wir beide sind mit Tieren groß geworden und wussten: wenn ein Tier von klein auf mit Kindern aufwächst, dann lernt es die Regeln für das Zusammenleben ganz von selbst bereits ab der Kinderstube. Gleiches gilt für die Kinder. Es gab für uns Grenzen, die selbstverständlich waren und auf deren Einhaltung wir konsequent geachtet haben und es auch heute noch tun. So hat jeder – sowohl Kind als auch Tier – geschützte Bereiche und Möglichkeiten sich zurückzuziehen, jeder darf in Ruhe essen und sagen, wann es zu viel wird. Besonders jetzt im Kleinkindalter ist das ganz wichtig geworden.
Als wir, mit unserer wenige Stunden alten Tochter, aus dem Geburtshaus zurückkamen, war unser Welpe noch bei meinen Eltern. Sie brachten ihn noch am selben Tag wieder zu uns und er durfte von Beginn an Kontakt aufnehmen, schnuppern und auch die Hand oder den Fuß ablecken, dabei sein, aber nicht mit dem Baby spielen. Alles andere fügte sich von selbst. Wir hatten das große Glück, dass Makani mit der Geburt unserer Tochter direkt gespürt hat, dass da nun etwas zartes, bedürftiges ist, worauf auch er Rücksicht nehmen muss.

4. Schlagzeilen wie „Hund beißt Baby“ sind immer wieder in den Medien zu hören. Hattet ihr zu Beginn auch viele Ängste und gab es einen Plan B, wenn der Hund das Kind nicht akzeptiert hätte?

haustier-hund-kleinkindNein, Angst hatte wir nie. Wenn man ein Tier von klein auf kennt und erzieht und einen gutes Verständnis dafür hat, dann kann man sein Tier sehr gut lesen. Es ist jedoch ganz klar unsere Aufgabe, sowohl Kind als auch Hund zu schützen und die jeweiligen Grenzen zu waren. Denn Tiere können nicht sprechen und Kinder brauchen unsere Anleitung und unser Vorbild. Damit ein Hund beißt muss vorher einiges schief gelaufen sein. Kein gesunder Hund, der nicht irgendwelche furchtbaren Erfahrungen machen musste, beißt direkt. Es gibt zahlreiche Kommunikationsmöglichkeiten, die der Hund vorher nutzt – erst wenn man auf all diese nicht reagiert kann es gefährlich werden. Hier ist es an uns, den Hund zu schützen – damit schützen wir letztendlich auch das Kind. Ich möchte soweit gehen zu behaupten, dass kein Kind von einem Hund gebissen wird, dessen Grenzen gewahrt werden.
Einen Plan B gab es natürlich, allerdings mehr für den Fall, dass Kind und Hund uns doch zu viel Arbeit sind. In dem Fall hätte meine Schwiegermutter den Hund vorübergehend oder dauerhaft zu sich genommen. Einen Plan B sollte jeder haben, der sich ein Tier anschafft – ob mit oder ohne Kinder.

5. Gemeinsam mit Kind und Hund lange Spaziergänge in der Natur und gemeinsames Schmusen auf dem Sofa. Das sind wahrscheinlich die Traumvorstellungen von den meisten, wenn man an das gemeinsame Zusammenleben denkt. Wie ist der Alltag mit Baby und Welpe? Welche Herausforderungen, aber auch schöne Momente gibt es? Darf der Hund auch mal mit dem Kinderspielzeug spielen bzw. das Holzspielzeug, die Krabbeldecke etc. ablecken?

der-beste-freund-hund-kindDiese Traumvorstellung kommt der Realität tatsächlich sehr nahe, auch wenn das Schmusen auf dem Sofa mit Kindern vielleicht nicht so ausgiebig ausfällt, wie man es sich vor dem Eltern werden vorgestellt hat. Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass der Alltag mit Baby und Welpe sich massiv von dem Alltag mit Kleinkind und Hund unterscheidet. Ein Tag in unserer Familie sah vor einem Jahr komplett anders aus als heute.
Als unsere Tochter geboren wurde, war unser Welpe noch nicht vollständig stubenrein. Wir hatten die zwei Wochen vorher ausgiebig genutzt um Grundkommandos zu üben, Regeln im Haus aufzuzeigen und natürlich die Bindung zu festigen, aber das mit dem Pinkeln hat noch nicht so hundertprozentig geklappt. Glücklicherweise war mein Mann die ersten sechs Wochen nach der Geburt zuhause, so dass immer jemand da war, der mit dem Hund vor die Tür gehen konnte, auch wenn ich gerade mit schlafendem Baby im Arm auf dem Stillsessel festsaß. Unsere täglichen stundenlangen gemeinsamen Spaziergänge waren herrlich – wir haben unsere Tochter fast ausschließlich im Tuch getragen, sodass wir die Hände frei hatten und sie an der frischen Luft schlafen konnte. Das hat mir in den Monaten nach der Geburt sehr viel Spaß gemacht und einen schönen Rhythmus in unseren Tagesablauf gebracht.
Als unsere Tochter ins Krabbelalter kam, fingen Kind und Hund an, richtig miteinander zu spielen. Malia hat sich schlappgelacht, wenn Makani ihre Füße abgeleckt hat oder seine Haare sie im Gesicht gekitzelt haben. Und Makani lag am liebsten neben ihrer Krabbeldecke und hat – man kann es nicht anders nennen – herumgealbert: auf dem Rücken liegend in seine eigenen Pfoten gebissen, ihr sein Spielzeug zugeschoben, sanft ihren Popo angestupst. Das war eine tolle Zeit.
Kinderspielzeug war für unseren Hund von Anfang an Tabu, genau wie ihr Bett oder ihre Krabbeldecke. Das hat er sehr schnell verinnerlicht und er interessiert sich tatsächlich gar nicht für ihre Sachen. Als wir im Urlaub einmal vergessen haben Hundespielzeug mitzunehmen, hat er allerdings in der Nacht zwei ihrer liebsten Holzspielzeuge wortwörtlich geschreddert. Auch so etwas kann passieren.

kind-und-hund-spielen-holzspielzeugJetzt, mit Kleinkind und einem ausgewachsenen, noch leicht pubertären Hund, sieht der Alltag ganz anders aus. Als Malia zu Laufen anfing und nicht mehr im Kinderwagen oder im Tragetuch sein wollte, stießen wir ganz schön aneinander. Der Hund wollte rennen, aber mit Laufanfänger kommt man nicht voran. Eine kurze Zeit lang ist dann immer mein Mann mit dem Hund und ich mit dem Kind rausgegangen. Wir sind aber schnell auf eine Lösung gekommen, die mit Husky ja auch sehr naheliegt: wir fahren nun täglich gemeinsam Fahrrad. Zwischen 5 und 15 Kilometer sind unsere täglichen Runden und Kind und Hund genießen sie gleichermaßen. Wenn wir eine Pause einbauen, in der Malia auch laufen und spielen und der Hund etwas herumstöbern und verschnaufen kann, ist es perfekt. Zuhause sind die beiden zu einem eingespielten Team zusammengewachsen. Malia stellt ihm sein Futter hin, sagt „Sitz“ und dann „Okay“, wenn er fressen darf. Jeden Abend rennen beide wie wild fangen spielend durch unsere Wohnung oder den Garten. Nach dem Aufwachen wird immer zuerst der Hund begrüßt und natürlich weicht er ihr den ganzen Tag kaum einen Schritt von der Seite, ist immer dort, wo sie ist.

zusammenleben-kind-hundJetzt, wo beide die Regeln kennen, dürfen sie sich auch mal gemeinsam in einem anderen Raum aufhalten als wir. Wenn es einem der beiden zu viel wird können wir uns darauf verlassen, dass sie auf sich aufmerksam machen, damit wir die Situation mit ihnen lösen. Das alles ist kein Selbstläufer, das möchte ich ganz klar sagen. Sowohl mit Kind als auch mit Hund muss man immer wieder in Beziehung gehen und ihnen helfen, ihre Grenzen zu wahren und eingreifen, wenn es zu weit geht. Wenn Makani fünf Minuten einer lachenden Malia hinterhergerannt ist, die etwas leckeres zu Essen in der Hand hält (er weiß, dass er da nicht ran darf) und er dann doch zu aufdringlich wird und auf ihr „Nein“ nicht reagiert, dann ist es unsere Aufgabe ihr zu helfen und dem Hund zu sagen, wie er sich verhalten soll. Andersherum müssen wir unserer Tochter erklären, dass es dem Hund weh tut, wenn sie ihn am Fell zieht oder auf seine Rute tritt.

6. Ein Hund kann Naturverbundenheit, Verantwortungsbewusstsein und Mitgefühl bei Kindern fördern und vor allem zu einem richtigen Freund werden. Welche Vorteile siehst du im gemeinsamen Aufwachsen mit Tieren?

kind-und-hund-im-waldDas habt ihr bereits sehr treffend beschrieben und ich würde nur die Reihenfolge umdrehen. Ja, ein Hund ist ein sehr guter Freund. Das ist für mich das schönste daran, dass beide gemeinsam aufwachsen. Makani liebt sie bedingungslos, (be-)wertet nicht, enttäuscht sie nicht und ist immer für sie da – nicht immer gelingt all dies uns Menschen. Er ist ein so fester Anker in ihrem Leben, gibt ihr Sicherheit und Selbstvertrauen. Das wird für immer tief in ihr verwurzelt sein und sie wird ihn immer in ihrem Herzen tragen und niemals vergessen. Das finde ich wunderschön.
Ich sehe an unserer Tochter, dass das Aufwachsen mit einem Tier einem Kind so viel Selbstbewusstsein, Einfühlungsvermögen und Sicherheit geben kann. Sie ist Tieren und Menschen gegenüber wahnsinnig aufgeschlossen, geht mutig aber zurückhaltend auf alle Tiere zu und lässt sich voll auf sie ein. Oft sieht man bei Kindern zwei Extreme: Angst oder Distanzlosigkeit gegenüber Tieren. Wenn ein Kind mit Tieren aufwachsen kann, dann erlernt es einen ganz selbstverständlichen und souveränen Umgang mit ihnen.
Verantwortung lernt ein Kind durch ein Tier natürlich auch. Jedoch ist es ganz klar unsere Aufgabe, uns um das Tier zu kümmern. Diese Verantwortung dürfen wir keinem Kind auflasten. Ich finde wichtig, dass ein kleines Kind immer mithelfen darf, aber nie muss. So behält es die Freude daran. Dass man sich um ein Tier immer kümmern muss prägt sich durch unser Vorbild ein, nicht unbedingt dadurch, dass das Kind es immer selbst tun muss.

7. Zur letzten Frage: Wenn du noch mal vor der Situation stehen würdest, einen Welpe gleichzeitig neben dem Neugeborenen aufwachsen zu lassen, würdest du die Entscheidung wieder so treffen?

Lustig, dass du diese Frage stellst, denn genau vor dieser Überlegung stehen wir gerade. Wir erwarten im kommenden Frühjahr unser zweites Kind und denken schon lange, dass Makani ein vierbeiniger Spielgefährte gut tun würde.
Ja, wir würden die Entscheidung wieder genau so treffen. Allerdings würde ich beim zweiten Mal den Welpen zu einem früheren Zeitpunkt in der Schwangerschaft holen – es hat deutlich Vorteile, wenn der Hund stubenrein ist und schon viele Regeln beherrscht, wenn das Baby zur Welt kommt. Ein optimaler Zeitpunkt wäre für mich persönlich ab Mitte der Schwangerschaft bis spätestens sechs Wochen vor der Geburt. Natürlich immer mit einem Backup oder Plan B.
Für uns steht nun allerdings noch die Überlegung an, ob es ein Welpe sein muss oder auch ein junger Hund aus dem Tierschutz sein darf und ob wir warten, bis wir unseren eigenen Hof gefunden haben.

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Wir bedanken uns herzlich bei Mirja für das tolle Interview! Falls ihr noch mehr von ihr und ihrem Leben erfahren möchten, schaut mal auf ihrem Blog und ihrem schönen Instagram-Account vorbei. :)


fragezeichen

Welche Erfahrungen habt ihr mit dem Zusammenleben von Kind und Hund gemacht? Gab es besonders schöne oder lustige Momente? Könnt ihr euch ein Zusammenleben mit Welpe und Baby vorstellen?

Das HOBEA-Germany Team wünscht eine schöne gemeinsame Zeit  – ob mit Kind und Hund – einfach im Kreis eurer Liebsten.

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