Zwillinge stillen – Interview

Zwillinge-schlafenBeschäftigt man sich mit der Frage, wie häufig Zwillinge oder Drillinge in Deutschland zur Welt kommen, sieht man anhand der Daten des statistischen Bundesamtes, (© Destatis, 2018) dass die Anzahl der Mehrlingsgeburten im Jahr 2017 im Vergleich zu den Vorjahren weiter auf 14.712 gestiegen ist. Hierunter waren im Jahr 2017 insgesamt 14.415 Zwillingsgeburten, 287 Drillingsgeburten und sogar 10 sonstige Mehrlingsgeburten.

Die Nachricht „Sie bekommen Zwillinge“ kann für viele Frauen zunächst erstmal ein Schock sein. Die Geburt von Zwillingen bedeutet aber auch: Glück im Doppelpack. Vor der ungewohnten Situation treten viele Fragen und Ängste auf. Speziell das Thema Stillen ist für viele (werdende) Zwillingsmütter von besonderem Interesse.

Aus diesem Grund haben wir für euch Zwillingsmama Jessica zum Thema „Zwillinge stillen“ interviewt. Jessica berichtet in ihrem Zwillingsblog über ihren Alltag mit Zwillingen und beantwortet in unserem Interview 8 Fragen zum Thema Zwillinge stillen.


Zwillinge stillen

Liebe Jessica, stelle dich doch mal kurz vor.

Mein Name ist Jessica, ich bin 33 Jahre alt, verheiratet und seit Juni 2017 Zwillingsmama. Mit unserem Labradoodle leben wir in einem kleinen Dorf in Niedersachsen. Zurzeit bin ich in Elternzeit und genieße diese sehr.

Wann hast du entschieden zu Bloggen und welche Bedeutung hat das Bloggen mittlerweile für dich?

Dazu entschieden habe ich mich kurz nach der Geburt der Twins. Für mich ist es mit einem Tagebuch zu vergleichen, nur das ich nicht meine einzelnen Tage niederschreibe, sondern mich mit gezielten Themen auseinandersetze.

Stillen – Ja oder Nein?

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Stillen ist ein sensibles Thema. Die Entscheidung, ob man stillen möchte oder nicht muss jede Mutter für sich selbst treffen. War für dich bereits in der Schwangerschaft klar, dass du Stillen möchtest?

Absolut. Und umso mehr mein Umfeld mir sagte, dass es schwer bis nicht möglich sei, umso mehr wollte ich es. Nach dem Motto: Jetzt erst Recht. Ich kann aber auch Frauen verstehen, die es sich nicht vorstellen können.

Die Vorstellungen des ersten Stillerlebnis sind meist romantisch. Das Kind wird an die Brust der Mutter gelegt und ohne Probleme fängt das Baby an zu saugen – meist ist dies nur eine Wunschvorstellung. Wie war dein Stillstart? Gab es Komplikationen oder Probleme beim Stillen?

Genau so habe ich es mir vorgestellt. Doch bei meinem Kaiserschnitt in der 35. Woche wurden mir die Jungs nicht einmal gezeigt. Ich sah sie das erste Mal, da waren sie schon 11 Stunden alt. Den ersten Stillversuch haben wir erst Tage später machen können. Wichtiger war erst einmal das sie ohne Unterstützung Atmen. Ich habe als Pumpmami gestartet. Doch die Milch reichte nicht von Anfang an und sie waren zu schwach um an der Brust zu trinken. Über das Fläschchen zum Stillhütchen haben wir es nach acht Wochen zum Vollstillen an der Brust geschafft.

Hattest du Ängste vor dem Stillen zum Beispiel, dass du zu wenig Milch für zwei Babys hast?

Nein, das hatte ich gar nicht. Ich war sehr zuversichtlich und hatte volles Vertrauen in mich. Das es am Anfang zu wenig war, hat mich schon verunsichert. Ich hatte jedoch eine tolle Hebamme an meiner Seite, die mich sehr unterstützt hat.

Tandemstillen – Wie funktioniert es mit zwei Kindern?

Der Begriff des „Tandemstillen“ ist im Zusammenhang mit „Stillen von Zwillingen“ bekannt. Es beschreibt das gleichzeitige Stillen von zwei Babys. Wie stillst du deine Zwillinge? Werden deine Babys gleichzeitig oder nacheinander gestillt?

Das ist ganz unterschiedlich. Zu Beginn habe ich nur einzeln gestillt als wir uns in unseren Stillbeziehungen eingespielt hatten, habe ich begonnen Tandem zu stillen. Da ich nach Bedarf stille, wurde das Tandem stillen tagsüber und nachts weniger. Zum Einschlafen und am Morgen ist es jedoch beim Tandemstillen geblieben.

Zwei Babys gleichzeitig zu versorgen kostet sehr viel Zeit, Energie und Planung. Hast du eine Stillroutine entwickelt oder läuft das Stillen und Füttern immer unterschiedlich ab?

Gerade in den ersten Wochen, in Cluster – und Wachstumsphasen lebte ich auf unserm Sofa und die beiden auf mir. Wichtig war, etwas zu Trinken und zu Essen in der Nähe zu haben. Auch das Smartphone war mir ein treuer Begleiter in dieser Zeit. Eine echte Stillroutine hatten wir nicht, in der Regel kamen sie alle 3 Stunden.

Praktische Hilfsmittel für’s Stillen

zwillingsstillkissen-stillenZum Stillen gibt es verschiedene Hilfsmittel, die das Stillen vereinfachen und angenehmer gestalten. Dazu zählt zum Beispiel auch ein Stillkissen. Welche Hilfsmittel kannst du empfehlen? Hast du selbst ein Zwillingsstillkissen verwendet?

Ich habe kein Zwillingsstillkissen gehabt. Mir reichte das Stillkissen für Zwillinge von euch. Besonders geholfen hat mir der Knopf, so verrutschte es nicht. Zu Beginn konnte ich Sofa Kissen unterlegen, um so größer sie wurden, umso weniger benötigten wir es. Seit sie ein halbes Jahr alt sind, stillen wir ohne. Als weiteres Hilfsmittel benötigten wir in den ersten 3-4 Wochen des Stillens ein Stillhütchen.

Die Geburt deiner Zwillinge ist jetzt fast 17 Monate her. Wie funktioniert jetzt das Stillen der Zwillinge und wie lange möchtest du noch stillen?

In Gedanken habe ich eigentlich schon vor Monaten abgestillt. Aber die beiden sehen das anders. Wir stillen eigentlich nur noch zum Einschlafen, in der Nacht und nach dem Aufstehen. Es gibt aber auch heute noch Tage, da würden sie am liebsten den ganzen Tag an der Brust sein. Es klappt zum Glück reibungslos. Ich würde gern in den nächsten Wochen/Monaten abstillen. Lasse es aber die Kinder entscheiden. Mit zwei sollte jedoch definitiv Schluss sein.

Eine Abschlussfrage: Was möchtest du werdenden Müttern und insbesondere Zwillingsmüttern gerne noch mit auf den Weg geben?

Vertraut euch und euren Kindern. Richtet es euch gemütlich zu Hause ein. Macht euch keinen Stress und genießt das Kennenlernen mit euren Kindern. Stillen kann funktionieren. Aber es kostet Kraft. Gleichzeitig noch eine perfekte Hausfrau zu sein wird erst mal nicht klappen. Nehmt Hilfe an. Und sollte das Stillen nicht klappen, grämt euch nicht. Stillen ist Liebe, Flasche geben aber auch!


fragezeichen Welche Erfahrungen habt ihr beim Stillen gemacht? Gab es auch Startprobleme und hattet ihr eine Stillroutine?

Das HOBEA-Germany Team  wünscht allen eine schöne Zeit mit Stillen oder Fläschchen geben.

Stillen auf Reisen – Tipps für die Stillzeit

Sommerbabys – für die kommenden Wochen prognostizieren die Wetterfrösche tropische Hitzewellen. Gerade frischgebackene Mütter stellen sich bei diesen heißen Temperaturen die Frage, wie sie den Alltag bei heißem Wetter für sich und ihr Baby angenehmer machen können. Passende Bekleidung wie Stilltops und Stillbikinis sorgen u.a. für einen entspannten Sommergenuss mit Baby!

Die schönste Zeit des Jahres steht bereits in voller Blüte. In den kommenden Wochen sollen Temperaturen oberhalb der 30 Grad Marke auch das tendenziell eher graue Deutschland bereichern. Badeseen, Strand und Meer schreien bei diesen Aussichten praktisch nach Gesellschaft.
Der erste Sommer mit Baby sollte für die Eltern eigentlich zum schönen, abenteuerlichen Erlebnis werden, aber es bereitet vielen Eltern Kopfzerbrechen und Sorgen. Nicht nur die schweißtreibende Hitze kann dem Baby zu schaffen machen, sondern auch die Beklemmung das Kind in der Öffentlichkeit zu stillen. Öffentliche Ignoranz, Stillverbote, abgetrennte Fütterungsräume (sogenannte „Still-ins“) in fremden Ländern und befremdliche Blicke fördern die Unsicherheit der Mütter.

Wie soll man den lang ersehnten Sommerurlaub mit Stillbaby gegenüberstehen – Grund zur Freude oder eher zur Verzweiflung?

Stillverbot in der Öffentlichkeit

Gerade in konservativen Ländern wird das Stillen nicht gerne gesehen und oftmals mitmama-stillt-baby verständnislosen Blicken und teilweise sogar Verweisen aus öffentlichen Einrichtungen, wie Cafés, Restaurants oder Bars, abgestraft. In der Vergangenheit sind gehäuft Debatten ausgebrochen, wie mit dem Stillen umgegangen werden soll, wobei es absolut unverständlich erscheint, dass das Natürlichste in der Entwicklung des Menschen untersagt werden soll. Beispielsweise in Dänemark wurden Frauen bereits aus Cafés verwiesen, mit der Bemerkung, das Stillen sei unappetitlich anzusehen. Jedoch ist Stillen eine normale Babyernährung und Erwachsenen müssen sich ebenfalls nicht beim Essen verstecken. Eine gesellschaftliche Doppelmoral – auf der einen Seite wird die ursprüngliche Ernährung als gut und gesund bewertet, aber auf der anderen Seite wird Müttern beim Stillen in der Öffentlichkeit das Leben schwer gemacht.

Man stellt sich zwangsläufig die Frage, warum gegen das öffentliche Stillen eine so große Kritik erhoben wird. Ist eine Brust obszön? Ist das Stillen zu offenherzig? Wohl eher nicht, denn mit einem vernünftigen Stilltop und einer sorgsamen Technik ist kaum zu erkennen ob das Baby im Arm schläft oder gesäugt wird. Profi-Stillmamas schaffen es sogar, das Baby im Gehen zu füttern, während es in einem Tragetuch liegt- wahres Können und klappt meistens vollkommen ungesehen.

Interessant: Nackte, laszive Frauen in Fernsehen, auf hausgroßen Plakaten oder grinsend von den Zeitschriftencovern sind nicht obszön? Seltsame Welt!

Auch in Urlaubsorten wie Hongkong, Japan oder Großbritannien sollte man sich als Mutter auf skeptische Blicke einstellen- und im Idealfall gekonnt ignorieren. :-)
Glücklicherweise gibt es in manchen Ländern Gesetze, die es bestrafen, wenn man Frauen am Stillen hindert oder diese diskriminiert. Hierfür sind Australien oder Schottland gute Beispiele, da hier die Rechtslage Frauen unterstützt. In Deutschland hingegen sieht das Gesetz leider so aus, dass die Besitzer von Cafés, Restaurants und Co. das Stillen aufgrund des Hausrechts untersagen dürfen.

Die Vorzüge des Stillens auf Reisen

Nunmehr sind die klaren, gesundheitlichen Vorzüge des Stillens im dunklen Kämmerlein bekannt: Mutter Natur hat hier wieder einmal wahre Genialität bewiesen und eine perfekte Komposition zusammengestellt, die die geistige und körperliche Entwicklung, den Wachstum, die Abwehrkräfte und den Infektionsschutz beim Baby fördert. Außerdem schützt man durch’s Stillen das Kind vor späteren Gewichtsproblemen, da durch die begrenzte Verfügbarkeit das Risiko einer Überfütterung minimiert und durch das, in der Milch enthaltene Hormon, Leptin, dem Körper des Säuglings rechtzeitig signalisiert wird, wann es satt ist. Weitere Vorteile könnt ihr in unserem Blogbeitrag zum Thema „Alleskönner Muttermilch? – Wissenswertes rund um’s Stillen“ nachlesen.

Und das Loblied für die Muttermilch reißt nicht ab, denn auch auf Reisen muss man so manche Vorzüge im Blick haben:

  • Stillunterhemden und Stilleinlagen sparen, im Gegensatz zu Fläschchen, Vaporisator, Milchpulver und Co. Platz für die wirklich benötigten Dinge im Koffer.
  • Infektionsschutz durch Muttermilch – wer will darauf gerade im Urlaub, umgeben von Fremden, vielleicht sogar nicht-deutschsprachigen, Ärzten verzichten?
  • Milch to go! Muttermilch ist quasi immer griffbereit: der Strandtag wird nicht vom hungrigen Baby unterbrochen- Stilltop auf und das Baby kriegt alles, was es braucht.
  • Das Baby schlägt kaum aufs fein kalkulierte Reisebudget. Während ein Baby im ersten Jahr Säuglingsnahrung schätzungsweise im Gegenwert von rund 900 Euro konsumiert und dementsprechend auch die Urlaubskasse belastet, haben stillende Mamas höchstens die Kosten für ein schönes, bequemes Stillunterhemd zu tragen- bleibt mehr für den Lieblingsitaliener. :-)
  • Der Flüssigkeitshaushalt des Babys kommt auch bei extremer Hitze nicht ins Wanken, wenn diese voll gestillt werden. In der Muttermilch ist alles enthalten, was das Baby zum Leben braucht- durch die selbstregulative, „superheldenartige“ Funktion der Muttermilch, kann der Wassergehalt auf etwa 88 % steigen. Dies ist von der Bedürfnislage des kleinen Spätzchens abhängig und gerade bei extremer Hitze besonders wichtig.
  • Wasser Abkochen und die Sorge um verschmutztes Trinkwasser, hygienische Aspekte und daraus resultierenden Erkrankungen sind irrelevant, da weitergehendes Füttern entfällt.

Muttermilch – der Gigant der Natur – auch im Urlaub!

Diskret Stillen mit einem Stilltop

Eine Lösung des Dilemmas ist mit einem praktischen und zeitgleich auch bequemen Stilltop gefunden- denn dies ermöglicht diskretes Stillen und schützt zeitgleich vor neugierigen Blicken, stilltop-von-hobea-schwarzda man die Brust weiterhin verdecken kann. Schadstofffreie und zugleich ansprechende Stilltops findet Mama direkt im Webshop von HOBEA-Germany. Die Stilltops sind in den Farben weiß und schwarz erhältlich und dank der flexiblen Passform auch ideal als Stillunterhemd tragbar.

Außerdem kann man sein Baby, dank der einfachen Handhabung des Stilltops, immer und überall anlegen. Da viele Ratgeber während des Urlaubs das sogenannten „Cluster Feeding“ empfehlen, was bedeutet, dass man das Kind immer dann füttern soll, wenn es eben möchte, ist dies während der Sommerzeit auf Reisen besonders zu beachten.

Hitze und Baby – 10 Dinge, die man bei warmen Temperaturen beachten sollte

Zu guter Letzt noch zehn kurze Tipps, abseits von Stillproblemchen, ignoranten Mitmenschen und der passenden Stillbekleidung.
Große Hitze bereitet nicht nur Erwachsenen Probleme, sondern die Zwerge trifft es meist noch schlimmer. Diese werden unruhig, quengelig und schlafen oftmals schlechter. Einige hilfreiche Tipps können so manches Babyleben in den Sommermonaten deutlich erleichtern:

  1. Das Kleine richtig kleiden: schön luftig in leichten Baumwollmaterialien- von Synthetik sollte man eher Abstand halten.
  2. Mützchen ist Pflicht! Dieses schützt Nacken und Gesicht vor zu starker Sonneneinstrahlung.
  3. Achtung bei Planschen im Planschbecken, See oder Meer! Babys können die Körperwärme erst ab dem zweiten Lebensjahr selbstständig regulieren, weshalb sie bei einer kühlen Wassertemperatur leicht auskühlen.
  4. Mittagshitze meiden! Zwischen 12 und 14 Uhr ist es am heißesten und die UV- Strahlung ist deutlich höher als morgens oder nachmittags.
  5. Die richtige Sonnencreme: Babys haben anfangs eine dünne, empfindliche Haut, daher sind viele handelsübliche Sonnencremes zu aggressiv. Hier empfiehlt es sich in einem speziellen Fachgeschäft oder in der Apotheke ein babygerechtes Produkt zu erwerben. Ein hoher Lichtschutzfaktor ist ebenfalls wichtig
  6. Kurz einkaufen gehen, wenn das Baby im Auto schläft? Klares Nein! Das kann im Sommer lebensgefährlich sein!
  7. Schlaf ist auch im Sommer notwendig. Am besten schlummert das Kleine bei einer Raumtemperatur von 16 bis 20 Grad. Klimanlagen machen schnell zu kühl und krank. Die Zimmertemperatur lässt sich beispielsweise mit feuchten Handtüchern, oder geschlossene Vorhänge regulieren.
  8. In den Sommermonaten schläft es sich besser ohne zusätzlich wärmende Stoffe wie Angora, Vlies oder dicke Daunendecken.
  9. Cool im Kinderwagen: An Kinderwagen oder Buggy einfach ein zusätzliches Sonnensegel anbringen, damit auch hier das Kind vor der sommerlichen Hitze geschützt ist.
  10. Sonne, Sonne, Sonne… auch für’s Baby? Lieber nicht, denn die Babyhaut ist zu zart für starke UV-Einstrahlung. Der Schatten tut dem Spätzchen viel besser und auch Mama oder Papa bekommen im Schatten eine hautschonende, leichte, natürliche Sommerbräune- denn Studien zufolge bekommt man auch im Schatten noch 30 bis 40 % der UV-Strahlung ab.

fragezeichen

Habt ihr Erfahrungen zum Thema Stillen auf Reisen? Ist der Sommerurlaub mit Stillbaby bereits geplant? Wo soll es bei euch hingehen? Habt ihr vermehrt positive oder negative Erfahrungen mit dem Stillen in der Öffentlichkeit gemacht. Und – habt ihr schon das ideale Stilltop für den ungestörten Sommer schon gefunden?

Das HOBEA-Germany Team wünscht euch viel Spaß in eurem Sommerurlaub – auf dass die Meteorologen uns weiterhin angenehme Temperaturen und viel Sonne und tolles Wetter in Deutschland bescheren!

Alleskönner Muttermilch? – Wissenswertes rund um’s Stillen

Muttermilch- das Wunder der Natur. Welche gesundheitlichen Vorzüge bietet sie und wie entwickelt sich die natürliche Babynahrung eigentlich?

stillkissen-stillen„Muttermilch ist das Beste für Ihr Kind!“, diesen Satz hat wohl jede werdende Mama schon einmal gehört und auch dem männlichen Teil der Bevölkerung, der sich allgemein wohl eher weniger intensiv mit der Muttermilch auseinandersetzt, ist dieser Grundsatz durchaus geläufig. Ob bahnbrechendes, alles vehement abwehrendes Immunsystem, gesteigerte Lernfähigkeit, geringere Anfälligkeit für Allergien, ein gesunder, intakter Stoffwechsel und und und: Es klingt, als können wir dies alles durch die einzelnen Stillmahlzeiten verdanken, die natürlich nicht nur einen idealen Nährstoffmix, sondern auch noch Nähe, Trost und Liebe spenden. Doch was steckt eigentlich hinter dem sagenumwobenen Mythos? Aus was besteht die Muttermilch eigentlich und ist die Muttermilch wirklich ein Wunder der Natur? 


Nicht jeder (werdenden) Mama fällt die Entscheidung leicht, ob sie stillen soll – oder lieber nicht. Dabei stolpert man bei der Entscheidungsfindung über die vielen Vorzüge der Muttermilch, aber auch viele Still-Mythen sind im Umlauf. Da möchte man das Thema dann gerne genauer unter die Lupe nehmen.

Zunächst einmal ist Muttermilch nicht gleich Muttermilch, sondern man unterscheidet in der Regel zwischen unterschiedlichen Stadien, die auf die Entwicklung des Babys und der Mutter angepasst sind.

Die Entwicklungsstadien der Muttermilch

Die Muttermilch durchläuft drei unterschiedliche Stadien.

Das ganze Muttermilchspektakel beginnt mit der sogenannten Vormilch oder auch Kolostrum genannt. Dieses entsteht in der Regel direkt nach der Geburt und ist eine Art „erster Impfstoff“ für das Baby. Optisch und von der Konsistenz unterscheidet sich dieses Sekret wesentlich von der späteren reifen Muttermilch oder allgemein bekannter Milch, da sie eine eher gelbe Farbe aufweist und viel cremiger und dickflüssiger ist. Die Farbe kommt durch die hohe Dosierung von Beta-Carotin zustande. Dieses gehört zu den Antioxidantien, welche für den Aufbau der Abwehrkräfte entscheidend sind. Allgemein steckt die gelbliche Vormilch voller Eiweiß, Vitaminen, und Abwehrstoffen um dem Baby die volle Ladung Power zu geben. Unter anderem enthält das Kolostrum Immunglobin, Laktoferrin oder auch Lysozym. Außerdem ist sie fett- und lactoseärmer als die spätere Milch und wirkt leicht abführend um Stoffwechsel und Darmtätigkeit des Babys sanft anzuregen. Dies ist besonders wichtig um das sogenannte Bilirubin auszuscheiden. Dieses ist nämlich sonst für den Ausbruch von Gelbsucht verantwortlich. In der Regel nimmt man an, dass diese ersten Schlückchen für das Baby die Wichtigsten sind.

In der Folge kommt es zum Milcheinschuss. In dieser kurz anhaltenden Phase wird eine fettreiche Übergangsmilch produziert, die das Wachstum des Babys fördert. Sie ist besonders nährstoffhaltig und sorgt dafür dass das Baby prächtig gedeiht. Die reife Hauptmilch steht dem Baby circa ab dem 10. Tag nach der Geburt zur Verfügung. Diese ist dann wässriger als die zuvor gebildeten Sekrete.

Interessant ist auch, dass die Muttermilch während der Stillmahlzeiten oft mit einem Mehr-Gänge-Menü verglichen wird. Sobald das Baby anfängt zu trinken bekommt es nämlich zunächst wässrige Vormilch, die sozusagen als Durstlöscher dient, während die dickflüssigere, nahrhaftere und vor allem sättigende Hauptmilch erst im Anschluss folgt. Es ist folglich besonders wichtig, dass Baby lange genug trinken zu lassen, damit es nicht nur die nährstoffarme Muttermilch abbekommt.

Unterschiede in der Muttermilch?

Mädels, aufgepasst: Trotz zahlloser feministischer Fortschritte, kamen diese die Frauen begünstigenden Entwicklungen, in den evolutionsbiologisch begründeten Lebensbereichen noch nicht an, denn die Ungerechtigkeit gegenüber den Frauen schlägt sich bereits in Mamas weißem Gold nieder: kleine Jungs genießen nämlich einen wertvolleren Vitamin-Power-Cocktail als kleine Mädchen. Der Muttermilch fehlt es, sobald ein Mädchen die Brust erwartet, am besonders wertvollen Milchzucker. Ungerecht geht die Welt zu Grunde!

Evolutionsbiologen begründen diese Zwei-Klassen-Gesellschaft in der Natur des Mannes, denn dieser kann schließlich, wenn er groß und stark ist, beliebig viele Nachfahren erzeugen, während Mama, zumindest während der neun-monatigen Schwangerschaft, aussetzen muss. Die Männer hätten folglich eine höhere Rendite und werden dementsprechend von der Natur begünstigt… was soll man da bloß machen- an der Natur können sich die Damen dieser Welt leider nicht rächen.

Allgemein gilt aber, dass keine Muttermilch der anderen gleicht- alle unterscheiden sich nach Geschlecht und Alter des Babys aber auch Lebensumständen und Körper der Mutter.

 

Baby Stillkissen großNatürliches Powerfood: Was Muttermilch alles kann

Muttermilch gilt noch heute als das einzige, tatsächlich funktionierende Powerfood, welches kaum chemisch nachzubilden und gerade in den ersten vier bis sechs Lebensmonaten von besonderer Wichtigkeit für die Entwicklung des Kindes ist. Erstes, stichhaltiges Argument, welches den englischsprachigen Slogan „breast is best“ untermauert, ist die wissenschaftlich bewiesene Tatsache, dass gestillte Babys Viren und Bakterien deutlich besser abwehren können als ungestillte Kinder. Sie besitzen dank der Muttermilch ein stabileres Immunsystem. Weiterhin entwickeln die Brust-babys seltener Allergien, was dadurch begründet wird, dass die junge Darmschleimhaut noch für unverdaute Eiweißstoffe durchlässig ist, welche beispielsweise in Kuhmilch zu finden sind. Das artfremde Eiweiß kann bei Allergieanfälligkeit der Kinder eine Überempfindlichkeitsreaktion auslösen. Da die Stillmilch die Darmschleimhaut festigt und für ihr Wachstum sorgt, leiden solche Kinder später seltener an Problemen mit dem Verdauungstrakt. Zudem unterstützt die Muttermilch, aufgrund der enthaltenen Eiweiße, das Wachstum des Babys- damit einhergehend schützt Muttermilch in gewissen Maß vor einem späteren Übergewicht. Dies wird auch dadurch bewirkt, dass eine Überfütterung beim Stillen praktisch ausgeschlossen wird und zusätzlich in der Muttermilch ein Hormon enthalten ist, welches die natürliche Sättigung bewirkt. Babys, die satt sind, wenden sich aus freien Stücken von der mütterlichen Brust ab. Auch das Gehirn und dessen Entwicklung werden durch die Muttermilch unterstützt, da in dem natürlichen Wundercocktail die sogenannte Sialinsäure enthalten ist.

Die Liste der physischen Wunderwirkungen, die die Muttermilch durch ihre erlesenen, wertvollen Inhaltsstoffe bewirkt ist beliebig fortzusetzen. Kinder, die gestillt wurden, sollen beispielsweise auch seltener an Problemen mit Kiefer und Gaumen leiden, da Fehlstellungen durch das Stillen vorgebeugt wird.

Body, mind and soul – Positive emotionale Auswirkungen

Gerüchten zufolge soll die Muttermilch aber nicht nur positiv auf den Körper wirken, sondern auch den Geist und den Charakter und Intelligenz des Kindes maßgeblich beeinflussen. Fakt ist, so ergaben Langzeitstudien, die gestillte und ungestillte Kinder gegenüber stellten, dass Erstere bei ihrer Einschulung einen rund sechs Punkte höheren Intelligenzquotienten aufweisen konnten, als ungestillte Kinder. Hier ist allerdings bis heute fraglich ob das Resultat ausschließlich auf den Inhaltsstoffen der Muttermilch beruht, sondern eher auf der Lebensführung der jeweiligen Mutter zurückzuführen ist, denn auch zu diesem Thema gibt es eine interessante Studie: Die stillende Mama der Gegenwart soll klüger sein und allgemein eine höhere körperliche Gesundheit besitzen als die Frauen, die das Fläschchen beim Babyschrei zücken. Demzufolge wäre es, so die Experten, auch einfach möglich, dass die Stillmama, die zumindest intelligenter sein soll, ihr Kind entsprechend mehr förderte, woraus dann die sechs Punkte resultieren. Fraglich ist jedoch, ob man solchen Studien überhaupt trauen kann- denn es ist eigentlich in keiner Weise zu pauschalisieren, dass eine Mutter die nicht stillt weniger klug ist, als jene, die ihrem Baby die Brust geben.

Ganz davon abgesehen ob die Intelligenz des Babys durch Muttermilch steigen könnte, stillkissen-stillmuff.jpgwas, sollte es voll und ganz wissenschaftlich belegt werden, sicher zum Totschlag-Argument der Stilllobby degradiert wird, bietet das Stillen dem Baby tatsächlich mehr als die reine Nahrungsaufnahme. Es spendet ihm Trost und Rückhalt in einer ihm völlig fremden, Welt, die es erst noch kennenlernen muss. Durch Nähe und Körperkontakt zur Mutter fühlt das Baby sich geborgen und schafft eventuelle Ängste zu überwinden. Das Stillen fördert dementsprechend auch die Mutter-Kind-Bindung und sorgt dafür, dass diese sich verfestigen und weitergehend stabilisieren kann. Hier ist allerdings interessant, dass die Stilltätigkeit an sich, ungeachtet der inhaltlichen Zusammensetzung der Muttermilch, den Charakter des Kindes tatsächlich beeinflusst. Diese Beeinflussung kommt zumeist durch das Füttern und die Reaktionszeit auf die kindlichen Bedürfnisse zustande. Wenn das Kind beachtet und sensibel betreut wird, legt die Mutter damit das Fundament für das spätere Selbstvertrauen des Kindes. Es bekommt dadurch suggeriert, dass es beachtet wird, wenn es sich äußert und mit seinem Verhalten etwas bewegen kann. Eine solche frühkindliche Prägung durch die primären Bezugspersonen nimmt Einfluss auf die spätere Lebens- und Beziehungsqualität des Kindes.


fragezeichenWas haltet ihr vom Stillen? Ist es für euch selbstverständlich oder habt ihr teilweise Bedenken? Findet ihr, dass Stillen die Mutter-Kind-Bindung fördert?

Wir freuen uns über eure Antworten. Das HOBEA-Germany Team wünscht euch weiterhin viel Spaß beim Lesen und Kommentieren!