Mutter mit Aktenordnern, die sich zeitgleich um die kleine Tochter kümmern muss
Tipps & Tricks

Teilzeit-Mama! Beruf und Familie vereinbaren – Wie geht das?

Frau-Sein, Mama-Sein, den Haushalt schmeißen und beruflich durchstarten: das Idealbild der modernen Mama von heute! Doch wie kriegt man diese unterschiedlich gelagerten Rollen unter einen Hut und kombiniert bestmöglichst Mutterschaft und Karriere?

Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Beruf und Schwangerschaft Familie Überstunden Arbeit AuflistungFrüher oder später, Baby! – der Trend entwickelt sich immer stärker in Richtung einer späten Mutterschaft- Studien zufolge liegt das Durchschnittsalter, in welchem Frauen ihr erstes Kind gebären, bei über 30 Jahren- Tendenz steigend! Der Grund dafür ist recht einfach zu finden, denn dem klassischen Rollenbild der Kinderbetreuerin und Haushaltsmanagerin wollen und können viele Frauen in der heutigen, modernen, schnelllebigen und vor allem teuren Zeit nicht mehr entsprechen.

Die Klatschmagazine propagieren diese ständige Gradwanderung als moderne aber angenehme Lebenswelt der Frauen. Morgens bringt die perfekt gestylte Mama ihre Kinder im eigenen Porsche Cayenne in Kindergarten und Schule, startet dann frisch und ausgeruht mit Kaffee to Go in der Hand und 12 cm hohen Manolo Blahniks, die natürlich perfekt auf das Kostüm abgestimmt sind, in den Arbeitsalltag als Finanzmagnat. Abends steht natürlich dennoch das köstliche und logischerweise von Mama selbst zubereitete drei-Gänge-Menü auf dem Tisch in der luxuriösen Wohnung. Der perfekte Ehemann kümmert sich im Anschluss um die gebildeten, wohlerzogenen, glücklichen Status-Kinder, während Mama sich in beigefarbenem Satin-Nachtkleid und perfekt sitzenden Locken auf dem Sofa ausruht, damit sie genauso frisch und fröhlich in den nächsten Tag starten kann.

Diese malerische, kleine Traumwelt ist selbstverständlich meilenweit an der harten Realität vorbeigeschossen. Wir leben in einer radikalen Arbeitswelt, die von durchgehendem Präsenz- und Termindruck geprägt ist. Knallharte Aufstiegsregeln machen Überstunden und Arbeit an den Wochenenden zur Selbstverständlichkeit. Wer beruflich durchstarten will, muss den überhöhten Ansprüchen permanent gerecht werden. Durchgetaktete Arbeitstage und fortlaufende Aufgaben machen Ausfälle undenkbar- kein Wunder, dass Burn-Out, Depression und geistige sowie körperliche Überbelastung leider mittlerweile zum Volkssport geworden sind.

Wann ist das ideale Alter zum Kinderkriegen?

Wann der perfekte Zeitpunkt ist, um schwanger zu werden und Kinder zu kriegen, kann man pauschal nicht sagen. Hier gibt es natürlich einige Einflüsse und Gründe die für und gegen das Kinderkriegen in einem bestimmten Alter sprechen.

Das Alter beeinflusst allerdings die Fruchtbarkeit. Aus medizinischer Sicht ist ein Alter zwischen 20 und 25 der ideale Zeitpunkt um ein Kind zu kriegen. Junge Mütter erholen sich, allein aufgrund der biologischen Voraussetzungen, wesentlich schneller von einer Schwangerschaft. So bildet sich beispielsweise die Haut, aufgrund eines strafferen Bindegewebes, schneller zurück. Allgemein steckt ein jüngerer Körper die Belastungen der Schwangerschaft leichter weg. Mit 20 Jahren befinden sich junge Frauen jedoch meist noch mitten in der Ausbildung und wären, wenn sie sich für eine junge Mutterschaft entscheiden, oftmals in einer schlechten finanziellen Situation. Meist geraten sie während der Babypause in Abhängigkeit vom Einkommen des Kindsvaters, der Eltern etc. Der Karriereaufbau wird durch den langen Ausfall gehemmt und in vielen Fällen auch gar nicht mehr nachgeholt. Zusätzlich befinden sich Mütter unter zwanzig noch in einer relativ instabilen Phase ihres Lebens. Die emotionale und geistige Reife ist in vielen Fällen noch nicht vollständig ausgeprägt- allgemein ist die Persönlichkeitsentwicklung noch nicht komplett abgeschlossen. Viele Paare, die bereits in jungen Jahren zusammen gekommen sind und Kinder bekommen haben, stehen irgendwann vor den Trümmern ihrer Beziehung. Man hat sich auseinander gelebt oder einfach festgestellt, dass man doch nicht so toll zusammen passt, wie man mit 15 angenommen hat. Paare, die sich nach dem dreißigsten Lebensjahr finden, verbindet eine stabilere, standfestere Bindung. Auch gehen Mütter, die ihre Karriere bereits ausreichend vorangetrieben haben, entspannter und bewusster an das Abenteuer der Mutterschaft. Sie haben weniger Ängste um berufliche Chancen, finanzielle Aspekte und andere berufsbedingte Belastungen. Kinder älterer Eltern sind, Studien zufolge, ihrem Alter voraus und feinfühliger gegenüber ihrer Umwelt. Dies hängt auch mit der intensiveren Beschäftigung der Eltern mit dem Kind zusammen.

Die erlangte emotionale Reife, sowie die finanzielle Unabhängigkeit sprechen für viele Mütter zu Gunsten einer späteren Schwangerschaft. Aus medizinischer Sicht spricht man aber bereits ab einem Alter von 35 Jahren von einer sogenannten „Risikoschwangerschaft“. Die Risiken betreffen dabei nicht nur den Körper der Mutter und die Regenerationsphase, denn Mütter ab 35 haben oft vermehrt mit Bluthochdruck, Schwangerschaftsdiabetes & Co. zu kämpfen, sondern auch das zunehmende gesundheitliche Risiko für das Kind. So nimmt beispielsweise die Gefahr am Down-Syndrom zu leiden mit steigendem Alter der Mutter zu. Hier muss man, bei der Wahl des Zeitpunkts individuelle Lebensumstände, Ziele und finanzielle Hintergründe im Blick behalten.

Mutter mit Aktenordnern, die sich zeitgleich um die kleine Tochter kümmern mussWie schafft man den Berufseinstieg?

So, bin wieder da. Wer sitzt da an meinem Schreibtisch und wieso geht er dort nicht weg?

Für viele frischgebackene Mütter ist gerade der Wiedereinstieg in die berufliche Laufbahn der schwierigste Teil im Rahmen der Vereinbarkeit von Karriere und Kinderkriegen. Wer jedoch bereits während der Elternzeit, die bis zu drei Jahren andauern kann, seine Berufsrückkehr plant, kann sich diesen Schritt deutlich erleichtern. Hier ist von entscheidender Wichtigkeit, dass man die zu erledigenden Aufgaben strukturiert und versucht, diese auf das Teilzeitkonzept umzulegen. Eine klare Planung der Tätigkeiten in Teilzeit, erleichtert auch dem Chef das Leben und schafft ideale Voraussetzungen für den bevorstehenden Berufseinstieg. Auch Heimarbeit ist in vielen Firmen eine gern gesehene Alternative, die man mit dem Chef abklären sollte. Abschließend sollte man bereits grob im Voraus planen, wie lange man tatsächlich aussetzt und wann man zurück kommt, denn bereits während der Elternzeit ist eine Stelle mit einem Umfang von bis zu 30 Wochenstunden problemlos möglich, solange in dem Betrieb mehr als 15 Mitarbeiter beschäftigt sind.

Zusätzlich sollte man sich selbstverständlich frühzeitig um eine geeignete Kinderbetreuung bemühen, die mit den eigenen Wertvorstellungen der Erziehung des Kindes übereinstimmt. Eine Tagesmutter ist zwar teurer aber auch flexibler. Auch besteht natürlich die Möglichkeit, gemeinsam mit Freunden, einen auf Gegenseitigkeit beruhenden, Betreuungsplan zu erstellen oder man findet Platz in einer Elterninitiative. Hier gilt es natürlich, das Modell der Kindesbetreuung auf die individuellen zeitlichen und finanziellen Rahmenbedingungen abzustimmen.

Weitergehend muss man natürlich auch in der Babypause fachlich am Ball bleiben, sodass auch die Firma den Arbeitswillen und die dahinterstehende Motivation spürt. Hier kann man beispielsweise die Kollegen darum bitten, dass man über Neuigkeiten via Email unterrichtet wird oder man lässt seine private Emailadresse in den Firmenverteiler eintragen. So hat man zusätzlich die Möglichkeit von zu Hause aus zu helfen, man verpasst den Anschluss nicht und verliert nicht den Bezug zu den firmeninternen Entwicklungen. Auch in Urlaubszeiten oder im Krankheitsfall einer Kollegin, kann man seine Hilfe anbieten und einspringen.

Wichtig ist auch, dass man sich in der Firma als Mensch präsentiert- gerade mit Kind ist dies wichtiger als zuvor, da nur Kollegen, die einen als Menschen und nicht nur als karriereorientierte Arbeitsmaschine wahrnehmen dazu geneigt sein werden, bei Problemen unter die Arme zu greifen. Auch während der Babypause kann man sich zu diversenMutter versucht alles unter einen Hut zu bekommen, Arbeit, Kind und andere Verpflichtungen Anlässen mit dem Baby in der Firma sehen lassen. Die Babypause läuft, gut vernetzt, mit verlässlichen Kontakten deutlich einfacher ab. Man schottet sich nicht ab und bleibt für die Firma, trotz Kind, greifbar. Stand-bye Modus, statt Stecker ziehen :-)
Manche Frauen haben zudem mit dem Problem zu kämpfen, dass sie in kein bestehendes Arbeitsverhältnis zurück können. Seit 1998 gibt es aber bei der Agentur für Arbeit spezielle Ansprechpartner für Frauen, die einen bei der Berufsrückkehr unterstützen. Auch werden hier spezielle Coachings, Kurse und Weiterbildungsseminare angeboten, die die fachlichen Qualitäten vertiefen und vorantreiben.

Zusätzlich kann man das Mama-Sein auch in positives Licht rücken und wird für den Arbeitgeber, durch erlangten Soft-Skills sogar attraktiver. Wer Kinder betreut, einen Haushalt schmeißt und auch noch arbeiten geht beweist Stressresistenz, Organisationstalent und soziale Kompetenz.

Falle: Elternzeit

So positiv und rosig das alles klingt muss es in der Realität leider nicht sein, denn trotz der ganzen Vorzüge, möchten wir euch die Nachteile, die nun mal bestehen, nicht vorenthalten. Gemäß der Frankfurter Karrierestudie sehen Arbeitgeber eine Schwangerschaft der Mitarbeiterinnen eher als „notwendiges Übel“. Auch trifft, laut 12% der Befragten, die Aussage, dass eine schwangere Mitarbeiterin ausfällt, im Anschluss nicht mehr voll belastbar ist und im Idealfall einfach nicht mehr wiederkommt, auf die Denkweise des Arbeitgebers zu. Auch gaben 48% der Befragten an, dass Gehaltserhöhungen, die während der Schwangerschaft angestanden hätten, vom Arbeitgeber gestrichen wurden.

Kind da, Job weg– gerade im Anschluss an die Elternzeit haben sowohl Mütter als auch Väter teilweise große Probleme im Beruf. Die Firma hat einen neuen Mitarbeiter auf den Posten eingearbeitet, man selbst wird aufs Abstellgleis geschubst, denn laut Gesetz hat man keinen Anspruch auf den gleichen, sondern nur auf einen gleichwertigen Job. Dass dabei beispielsweise die Mitarbeiterführung flöten geht, scheint legitim. Auch haben Väter das Problem, dass sie ihre Elternzeit nicht zu früh anmelden dürfen. Sie müssen hier genau auf die Fristen achten, um einer betrieblichen Kündigung zu entgehen.

Zusätzlich stellt sich vielen jedoch das Problem, dass nach der Elternzeit der Kündigungsschutz dann erlischt, sobald die Tätigkeit wieder aufgenommen wurde. Ab diesem Zeitpunkt gelten wieder die vertraglich festgelegten Kündigungsfristen. Hier sollte der Gesetzgeber unbedingt nachbessern und eine Nachfrist festlegen, denn viele frischgebackene Eltern haben sich in der Situation wiedergefunden, dass nach der Elternzeit die Kündigung auf den Schreibtisch flatterte.

Wiedereinstieg nach der Elternzeit

Mutter bei dem Erledigen von arbeitsrelevanten Telefonanrufen, daneben die Tochter- so kann man Arbeit und Mutterschaft vereinbaren und beiden Rollen gerecht werden

Viele Vorteile, viele Fallen, kaum Klarheit- so das Bild bislang. Als Leitsatz, was den beruflichen Wiedereinstieg betrifft, sollte man sich jedoch merken, dass eine lange Auszeit ohne Weiterbildung oder betriebliche Integration und Engagement für jede Karriere mehr als gefährlich ist- ob als Mama oder unverheirateter, kinderloser Single.

Auch hängen die Rahmenbedingungen und betrieblicher Umgang mit Schwangerschaft und Elternzeit fast ausschließlich mit der Einstellung der Firmen-Köpfe zusammen. Hier kann man sich einige Fragen selbst beantworten, um ein Bild über die gegebene Situation zu erhalten.

– Hat mein Chef selbst Kinder? Wenn ja, in welchem Alter sind sie?

– Gab es schon andere Mütter im Unternehmen? Wie ist es ihnen ergangen?

Hier kann man im Idealfall auch Kontakt zu den anderen Firmen-Muttis herstellen.
– Wie reagierte der Chef im Gespräch?

Klar, die meisten Führungskräfte haben das Poker-Face bestens drauf, jedoch kann man anhand von Absprachen und beispielsweise der Offenheit für eigene Vorschläge für die Nutzung der Elternzeit, deutlich abschätzen, sie seine/ihre Einstellung zum Thema ist.

Allgemein gibt es keine Faustregel dafür, wann der richtige Zeitpunkt fürs Kinderkriegen ist. Dies sollte man von persönlichen Wünschen, Zielen und Gegebenheiten abhängig machen.


fragezeichenWie sind eure Erfahrungen mit Elternzeit, Arbeitgeber und Co? Welche Faktoren sind für euch markant, was den richtigen Zeitpunkt für die Babyplanung betrifft? Habt/Hattet ihr euch ein Alter festgelegt, wann ihr spätestens Kinder haben wollt?

Das HOBEA-Germany Team wünscht allen werdenden Muttis viel Freude und drückt die Daumen für einen problemlosen Jobeinstieg nach der Babypause!

2 Gedanken zu „Teilzeit-Mama! Beruf und Familie vereinbaren – Wie geht das?“

  1. Wir sind mit der Job-Problematik auch persönlich betroffen. Meine Frau hatte einen befristeten Vertrag und wurde in den höchsten Tönen gelobt. Nachdem Sie die Schwangerschaft angekündigt hatte, wurde ihr klipp und klar gesagt, dass so natürlich keine Verlängerung ihres Vertrages in Frage kommt. Ob das jetzt eher Glück oder Segen für meine Frau bzw. unsere Familie war, lass ich mal im Raum stehen. Fakt ist, Frauen bekommen Kinder und Fakt ist auch, dass Frauen immer mehr benachteiligt werden, wenn sie dem Wunsch nach Kindern nachkommen möchten.

    Fakt ist aber auch, liebe Arbeitgeber, ohne Kinder kauft morgen niemand eure Produkte oder eure Dienstleistung. Engstirnigkeit wird hier früher oder später, ZURECHT!, bestraft.

    Grüße Heiko

  2. Teilzeit arbeiten und Teilzeit sich um die Familie kümmern ist eine riesen Herausforderung.

    Aktuell steh ich am Ende meiner Elternzeit. Meine Arbeit erwartet von mir, die gleiche Flexibilität wie vor der Schwangerschaft.

    Zudem ist es schwierig einen Betreungsplatz zu bekommen und die haben ebenso Betreuungsszeiten wie alles andere.

    Und diese sind oft nicht die gleichen wie von der eigenen Arbeit.

    Zudem dem kommt es, dass ich es sehr fraglich finde kleine Kinder 8h oder länger fremd zu betreuen.

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