Erziehung

Die Trotzphase – Heulkrampf an der Wursttheke: so geht man damit um!

Kind guckt sich Schokolade im Supermarkt an und sitzt dabei im EinkaufswagenEin zweijähriges Kind- die Schokobrötchen und ein „NEIN!“ der Mutter- das ist das dunkelste Szenario, was sich viele Eltern ausmalen können…
Alle Eltern kennen es- viele regen sich auf. Der Puls schießt beim dritten Heulkrampf wegen Keksen und stundenlangen Diskussionen mit dem, sich auf dem Boden wälzenden Kind, dass es bitte aufstehen möge, in gefühlt lebensbedrohliche Höhen. Mit dem Kopf durch die Wand, denn ich habe Recht und Mama auf keinen Fall- das standardmäßige Lebensmotto des Kleinkindes in der Trotzphase.
Doch wie geht man mit der Trotzphase um? Ständiges Ausbremsen oder einfach mal eigene Erfahrungen sammeln lassen? Ruhe bewahren- aber wie? Ablenken oder Nachgeben? Und was steckt denn eigentlich hinter diesem völlig normalen Verhaltensmuster?

Woher kommt das Trotz-Verhalten? – Gibt es die Trotzphase schon bei Babys?

Erstmal zu Beginn liebe Eltern: Ihr seid nicht alleine! Die Hintergründe der Trotzphase liegen selbstverständlich in der kognitiven Entwicklung des Kindes. Die unumstößliche „mit dem Kopf durch die Wand“-Politik des Kindes kommt auch nicht dadurch zustande, dass das Kleinkind plötzlich seine sadistischen Züge entdeckt hat und die Eltern um den Verstand schreien möchte, sondern resultiert aus dem Umstand, dass es zu der Entwicklung des Selbstbewusstseins kommt. Dies ist ein äußerst wichtiges Entwicklungsstadium und muss auch irgendwie positiv beurteilt werden. Die Phase tritt meist zwischen dem 15. und 18. Lebensmonat ein und dauert durchschnittlich ca. zwei Jahre. Den Höhepunkt erreicht sie zwischen dem zweiten und dritten Lebensjahr. Zur Beruhigung: Sie geht auf jeden Fall wieder vorbei, auch wenn man es zuerst nicht glaubt und sich mental auf jahrelange Qual vorbereitet.
Nicht nur das Selbstbewusstsein entwickelt sich während dieser, für Eltern, anstrengenden, unangenehmen und schwierigen Phase, sondern auch die ganze, eigene Persönlichkeit kommt durch das nervenaufreibende Verhalten zustande. Das Kind hat gemerkt, dass es viel gelernt hat- es saugt die Umwelt auf, wie ein kleiner ausgetrockneter Schwamm. Zeitgleich stellt es jedoch immer wieder fest, dass es an seine Grenzen stößt. Diese will es austesten- leider auf Kosten der geschundenen Nerven der Eltern. Es versteht zwar kleinere Zusammenhänge, bringt aber nur geringe Auffassung für übergeordnete Konstellationen auf- so beispielsweise dass das Zu-Bett-Gehen täglich zur gleichen Zeit abläuft oder eben auch, dass Mama nicht den gesamten Inhalt der Backwarentheke aufkaufen kann und möchte.
Kinder rebellieren außerdem nicht aus Hass oder anderen, schrecklichen Gesichtspunkten, sondern leben ihr wildes Gemüt nur bei Menschen aus, in dessen Umgebung sie sich wohl fühlen- also noch ein positiver Aspekt zu Gunsten der Eltern-Kind-Bindung.
Dem Toben und der Raserei stehen viele Eltern verzweifelt gegenüber, denn das Kind grenzt sich einerseits gegen die Eltern ab, braucht auf der anderen Seite in dieser Phase besonders viel Zuwendung und Liebe. Es hat einfach keinerlei Kontrolle über seine Emotionen und bekommt daher auch keine Chance über seine Gefühlsausbrüche zu walten.

Der typische Trotzanfall bei Kindern

Der Trotzanfall folgt meist einer stereotypischen Choreographie mit kleineren Variationen.
In der Regel beginnt alles mit dem Wunsch des Kindes, welcher aber nicht erfüllt wird- entweder weil Mama Nein sagt oder weil das Kind es eben aus eigener Kraft nicht schafft,Junge stützt die Hände aufs Kinn mit trotzigem Blick- die Trotzphase das Gewünschte zu realisieren. Das Erlebnis des Scheiterns erzeugt Wut in dem kleinen Kinderkopf, welche dann üblicherweise mit ausfallenden Reaktionen wie Schreien, Heulattacken, auf dem Boden wälzen, wildem um sich treten und strampeln ausgelebt wird. In der Regel beruhigt sich das Kind im Anschluss relativ schnell, fährt herunter und akzeptiert, dass es nicht alles haben und aktuell auch nicht durch die eigene Kraft erreichen kann. Manchmal beruhigt es sich auch einfach nur, weil es körperlich vollkommen erschöpft ist- aber: es beruhigt sich in jedem Fall irgendwann, früher oder später.

Wie geht man mit einem Trotzkind um? Hier unsere Tipps!

Zuerst die schlechten Nachrichten: die Trotzphase kann man leider nicht gekonnt durchgehend umschiffen- sie tritt ein. Zu den guten Nachrichten: man kann in der Situation des Anfalls einige kleinere Verhaltensregeln befolgen, die den Anfall des Trotzkindes abmildern und schneller zum Auslaufen bringen.

  • Typischer Anfall beim Einkaufen in der Süßwarenabteilung? Das Kind möchte den Einkaufswagen mit sieben Packungen Schokolade, neun Packungen Törtchen und zwölf Packungen Chips beladen, weil das zu einer ausgewogenen, gesunden Kinderernährung natürlich dazu gehört oder weil die Süßigkeiten Verpackungen einfach so schön bunt sind? Um einen Tobsuchtsanfall zu umgehen kann man die Süßwarenabteilung einfach gekonnt auslassen. Einfach den längeren Weg durch die Waschmittelabteilung wählen- hier ist das Risiko deutlich geringer, dass das Kind sich plötzlich für Hygieneprodukte begeistert und mehrere Kilo Waschmittel kaufen will. Man muss auch bei den ewigen Diskussionen beim Einkauf stets im Hinterkopf behalten, dass das Kind die rationalen Gegenargumente nicht vollständig begreift. Wichtig bleibt jedoch, dass man, in der Situation ruhig und sachlich mit dem Kind spricht, egal wie sinnlos es in dem Moment erscheint
  • Keine wilden (und im Zweifelsfall lautstarken) Machtspielchen mit dem Kind zulassen. Man muss, trotz eventuellem Widerwillen, ganz ruhig und entspannt auf das Trotzkind einreden- Zähne zusammenbeißen ist hier gefragt. Sollte es gar nicht anders gehen, sollte man mit dem Kind den Kriegsschauplatz verlassen und die Umstehenden um Verzeihung bitten. Vielen ist die Situation peinlich. Aber regt euch nicht über verständnislose Blicke auf- diejenigen müssen da eventuell auch noch durch.
  • Ablenkung hilft immer:  z. B. ein buntes Holzspielzeug, ein Bilderbuch oder das Lieblingsstofftier. Aber auch lustige Grimassen oder lautes Singen können das Kind innerlich beruhigen und von dem eigentlichen Gegenstand des Zorns ablenken. Mit etwas Glück ebbt der Anfall ab.
  • Was braucht das Kind? Manche Kinder brauchen während der Trotzattacke Zuneigung und eine sanfte Umarmung. Andere macht dieses Verhalten nur noch wütender, da sie sich dann unverstanden und hilflos fühlen. Learning by doing- das kann man nur herausfinden, indem man die möglichen Optionen einfach austestet. Irgendwann hat man das richtige Vorgehen raus und kann auf diese Art weiter machen.
  • Wenn der kleine Trotzkopf erneut durchdreht, aber zu Hause, kann man sich auch die Einsamkeit zu Nutzen machen und einfach das Zimmer verlassen. In der Abgeschiedenheit merkt das Kind meist recht schnell, dass die Zimmerwand sein Schreien und auf dem Boden wälzen weniger aufregt als Mutter oder Papa. Hier ist jedoch zu beachten, dass die Trotzphase manchmal derart uferlos um sich greift, dass Kinder anfangen sich selbst zu verletzen. Sollte so etwas schon einmal vorgekommen sein, sollte man das Kind auch nicht unbeaufsichtigt toben lassen, sondern sich um dessen Beruhigung bemühen
  • Grenzen und Freiheiten klar abstecken und in klaren, unmissverständlichen Sätzen formulieren. Auch sollte man dem Kind Mitspracherecht einräumen, um ihm so zu zeigen, dass es bestimmte Dinge selbstständig entscheiden darf.

Kind will mit Legoklötzen spielen, mama ist aber dagegen, Kinder in der TrotzphaseWichtig ist auch: Konsequenz. Wenn das Kind in der einen Situation Zustimmung erhält, in der Gleichen an einem anderen Tag aber nicht, wird es verwirrt sein und sicher rot sehen. Auch darf man dem Kind nicht alles untersagen aber auch nicht alles durchgehen lassen. Mit Papas Schuhen und Hemd nachts allein auf die Straße? Geht, ganz klar, nicht. Alte, unbrauchbare T-Shirts bemalen? Kann man durchgehen lassen. Hier ist es ganz klar, dass Grenzen aufgezogen werden müssen. Als goldene Regel gilt: Man darf die Gefühle des Kindes nicht ignorieren und sollte ihm zeigen, dass man sein Verhalten ernst nimmt. Zusätzlich sollte man darauf achten, dass man beispielsweise riskante Vorhaben verbietet, andere, harmlose jedoch durchgehen lässt.


fragezeichenWas sind eure Tipps für den Umgang mit Trotzkindern? In welchem Alter hat euer Kind getrotzt und habt ihr besonders ausgefallene Erlebnisse mit Trotzkind, die ihr mit uns teilen möchtet?

Das Team von HOBEA-Germany wünscht viel Entspannung trotz Trotzkind und die schwierige Phase möge schnell vorüber gehen!

4 Gedanken zu „Die Trotzphase – Heulkrampf an der Wursttheke: so geht man damit um!“

  1. Es ist wirklich zum Haare raufen, aber der Artikel hat Recht, das Ganze geht vorbei :-)…ich habe auch immer eine kleine Ablenkung von daheim dabei (vorbereitete Apfelspalten, kleine Spielzeuge, Maissnacks (jaaa… die für Kinder ohne Zucker und Salz ;-) …mein Kleiner liebt diese Dinger) und dann eine nette Belohnung daheim versprechen, wenn er „brav“ im Geschäft ist, z. B. ein schönes Buch lesen oder sein Lieblingsspielzeug in Aussicht stellen. Aber den richtigen, echten Geheimtipp habe ich leider auch nicht, deswegen ist es gut zu lesen, dass das alles völlig normal ist :-)!!

  2. In der heutigen Zeit kriegen die Kids oft einen Bildschirm vorgesetzt, um ruhig und abgelenkt zu sein, weil viele die Phase und Trotzanfälle nicht aushalten.. Schön ist es nicht, dass ist klar. Aber man muss tatsächlich ruhig bleiben, Liebe und Trost spenden, kompromissbereit sein und Dinge finden, um vorzubeugen. Wenn die Kleinen sonst durchdrehen, weil sie das falsche T-Shirt anhaben, die falsche Brotdose mitkriegen, die falschen Puschen anhaben… dann vorab ein paar Minuten mehr zum Anziehen und Co einplanen und gemeinsam die Sachen rauslegen etc. :) Euch allen starke Nerven! ;-)

  3. Mir fällt zu dem Thema eine eigene Geschichte ein, wo ich mich selbst noch in der Trotzphase befand:
    Beim Einkaufen, war ich als Kleinkind schnell auf den Trichter gekommen, dass wenn ich in Lebensmittel reinbeiße, meine Mama diese auch anschließend kaufen musste.
    Danach gab es dann kein Halt mehr, – bis ich einen Griff in die Kühltheke genommen habe und eine Kräuterbutter erwischte…

    Anschließend hat sich mein Verhalten (welch ein Wunder) um 180 Grad gewendet.

    Starke Nerven, Geduld und eine Alles wird gut Einstellung schaden als Mutter nicht, auch wenn das so leicht gesagt ist – Einfach immer im Hinterkopf behalten – Auch das geht vorbei :)
    Zum Glück überwiegen die schönen Momente und wir schöpfen Kraft und Energie hieraus für den Alltag!

  4. Das kenne ich nur zu gut. Die Trotz-Phase meiner Kinder hat gefühlt sehr lange angehalten. Ich habe auch immer versucht die Süßigkeitenabteilung zu umgehen, aber meistens kam der Trotzanfall dann bei der Kasse. Ablenkung ist das beste Mittel und spätestens im Auto war der Süßigkeiten Wunsch wieder vergessen. Wirklich wichtig ist, dass man nicht laut und gestresst wird.

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