Gesundheit

Alleskönner Muttermilch? – Wissenswertes rund um’s Stillen

Muttermilch- das Wunder der Natur. Welche gesundheitlichen Vorzüge bietet sie und wie entwickelt sich die natürliche Babynahrung eigentlich?

stillkissen-stillen„Muttermilch ist das Beste für Ihr Kind!“, diesen Satz hat wohl jede werdende Mama schon einmal gehört und auch dem männlichen Teil der Bevölkerung, der sich allgemein wohl eher weniger intensiv mit der Muttermilch auseinandersetzt, ist dieser Grundsatz durchaus geläufig. Ob bahnbrechendes, alles vehement abwehrendes Immunsystem, gesteigerte Lernfähigkeit, geringere Anfälligkeit für Allergien, ein gesunder, intakter Stoffwechsel und und und: Es klingt, als können wir dies alles durch die einzelnen Stillmahlzeiten verdanken, die natürlich nicht nur einen idealen Nährstoffmix, sondern auch noch Nähe, Trost und Liebe spenden. Doch was steckt eigentlich hinter dem sagenumwobenen Mythos? Aus was besteht die Muttermilch eigentlich und ist die Muttermilch wirklich ein Wunder der Natur? 


Nicht jeder (werdenden) Mama fällt die Entscheidung leicht, ob sie stillen soll – oder lieber nicht. Dabei stolpert man bei der Entscheidungsfindung über die vielen Vorzüge der Muttermilch, aber auch viele Still-Mythen sind im Umlauf. Da möchte man das Thema dann gerne genauer unter die Lupe nehmen.

Zunächst einmal ist Muttermilch nicht gleich Muttermilch, sondern man unterscheidet in der Regel zwischen unterschiedlichen Stadien, die auf die Entwicklung des Babys und der Mutter angepasst sind.

Die Entwicklungsstadien der Muttermilch

Die Muttermilch durchläuft drei unterschiedliche Stadien.

Das ganze Muttermilchspektakel beginnt mit der sogenannten Vormilch oder auch Kolostrum genannt. Dieses entsteht in der Regel direkt nach der Geburt und ist eine Art „erster Impfstoff“ für das Baby. Optisch und von der Konsistenz unterscheidet sich dieses Sekret wesentlich von der späteren reifen Muttermilch oder allgemein bekannter Milch, da sie eine eher gelbe Farbe aufweist und viel cremiger und dickflüssiger ist. Die Farbe kommt durch die hohe Dosierung von Beta-Carotin zustande. Dieses gehört zu den Antioxidantien, welche für den Aufbau der Abwehrkräfte entscheidend sind. Allgemein steckt die gelbliche Vormilch voller Eiweiß, Vitaminen, und Abwehrstoffen um dem Baby die volle Ladung Power zu geben. Unter anderem enthält das Kolostrum Immunglobin, Laktoferrin oder auch Lysozym. Außerdem ist sie fett- und lactoseärmer als die spätere Milch und wirkt leicht abführend um Stoffwechsel und Darmtätigkeit des Babys sanft anzuregen. Dies ist besonders wichtig um das sogenannte Bilirubin auszuscheiden. Dieses ist nämlich sonst für den Ausbruch von Gelbsucht verantwortlich. In der Regel nimmt man an, dass diese ersten Schlückchen für das Baby die Wichtigsten sind.

In der Folge kommt es zum Milcheinschuss. In dieser kurz anhaltenden Phase wird eine fettreiche Übergangsmilch produziert, die das Wachstum des Babys fördert. Sie ist besonders nährstoffhaltig und sorgt dafür dass das Baby prächtig gedeiht. Die reife Hauptmilch steht dem Baby circa ab dem 10. Tag nach der Geburt zur Verfügung. Diese ist dann wässriger als die zuvor gebildeten Sekrete.

Interessant ist auch, dass die Muttermilch während der Stillmahlzeiten oft mit einem Mehr-Gänge-Menü verglichen wird. Sobald das Baby anfängt zu trinken bekommt es nämlich zunächst wässrige Vormilch, die sozusagen als Durstlöscher dient, während die dickflüssigere, nahrhaftere und vor allem sättigende Hauptmilch erst im Anschluss folgt. Es ist folglich besonders wichtig, dass Baby lange genug trinken zu lassen, damit es nicht nur die nährstoffarme Muttermilch abbekommt.

Unterschiede in der Muttermilch?

Mädels, aufgepasst: Trotz zahlloser feministischer Fortschritte, kamen diese die Frauen begünstigenden Entwicklungen, in den evolutionsbiologisch begründeten Lebensbereichen noch nicht an, denn die Ungerechtigkeit gegenüber den Frauen schlägt sich bereits in Mamas weißem Gold nieder: kleine Jungs genießen nämlich einen wertvolleren Vitamin-Power-Cocktail als kleine Mädchen. Der Muttermilch fehlt es, sobald ein Mädchen die Brust erwartet, am besonders wertvollen Milchzucker. Ungerecht geht die Welt zu Grunde!

Evolutionsbiologen begründen diese Zwei-Klassen-Gesellschaft in der Natur des Mannes, denn dieser kann schließlich, wenn er groß und stark ist, beliebig viele Nachfahren erzeugen, während Mama, zumindest während der neun-monatigen Schwangerschaft, aussetzen muss. Die Männer hätten folglich eine höhere Rendite und werden dementsprechend von der Natur begünstigt… was soll man da bloß machen- an der Natur können sich die Damen dieser Welt leider nicht rächen.

Allgemein gilt aber, dass keine Muttermilch der anderen gleicht- alle unterscheiden sich nach Geschlecht und Alter des Babys aber auch Lebensumständen und Körper der Mutter.

 

Baby Stillkissen großNatürliches Powerfood: Was Muttermilch alles kann

Muttermilch gilt noch heute als das einzige, tatsächlich funktionierende Powerfood, welches kaum chemisch nachzubilden und gerade in den ersten vier bis sechs Lebensmonaten von besonderer Wichtigkeit für die Entwicklung des Kindes ist. Erstes, stichhaltiges Argument, welches den englischsprachigen Slogan „breast is best“ untermauert, ist die wissenschaftlich bewiesene Tatsache, dass gestillte Babys Viren und Bakterien deutlich besser abwehren können als ungestillte Kinder. Sie besitzen dank der Muttermilch ein stabileres Immunsystem. Weiterhin entwickeln die Brust-babys seltener Allergien, was dadurch begründet wird, dass die junge Darmschleimhaut noch für unverdaute Eiweißstoffe durchlässig ist, welche beispielsweise in Kuhmilch zu finden sind. Das artfremde Eiweiß kann bei Allergieanfälligkeit der Kinder eine Überempfindlichkeitsreaktion auslösen. Da die Stillmilch die Darmschleimhaut festigt und für ihr Wachstum sorgt, leiden solche Kinder später seltener an Problemen mit dem Verdauungstrakt. Zudem unterstützt die Muttermilch, aufgrund der enthaltenen Eiweiße, das Wachstum des Babys- damit einhergehend schützt Muttermilch in gewissen Maß vor einem späteren Übergewicht. Dies wird auch dadurch bewirkt, dass eine Überfütterung beim Stillen praktisch ausgeschlossen wird und zusätzlich in der Muttermilch ein Hormon enthalten ist, welches die natürliche Sättigung bewirkt. Babys, die satt sind, wenden sich aus freien Stücken von der mütterlichen Brust ab. Auch das Gehirn und dessen Entwicklung werden durch die Muttermilch unterstützt, da in dem natürlichen Wundercocktail die sogenannte Sialinsäure enthalten ist.

Die Liste der physischen Wunderwirkungen, die die Muttermilch durch ihre erlesenen, wertvollen Inhaltsstoffe bewirkt ist beliebig fortzusetzen. Kinder, die gestillt wurden, sollen beispielsweise auch seltener an Problemen mit Kiefer und Gaumen leiden, da Fehlstellungen durch das Stillen vorgebeugt wird.

Body, mind and soul – Positive emotionale Auswirkungen

Gerüchten zufolge soll die Muttermilch aber nicht nur positiv auf den Körper wirken, sondern auch den Geist und den Charakter und Intelligenz des Kindes maßgeblich beeinflussen. Fakt ist, so ergaben Langzeitstudien, die gestillte und ungestillte Kinder gegenüber stellten, dass Erstere bei ihrer Einschulung einen rund sechs Punkte höheren Intelligenzquotienten aufweisen konnten, als ungestillte Kinder. Hier ist allerdings bis heute fraglich ob das Resultat ausschließlich auf den Inhaltsstoffen der Muttermilch beruht, sondern eher auf der Lebensführung der jeweiligen Mutter zurückzuführen ist, denn auch zu diesem Thema gibt es eine interessante Studie: Die stillende Mama der Gegenwart soll klüger sein und allgemein eine höhere körperliche Gesundheit besitzen als die Frauen, die das Fläschchen beim Babyschrei zücken. Demzufolge wäre es, so die Experten, auch einfach möglich, dass die Stillmama, die zumindest intelligenter sein soll, ihr Kind entsprechend mehr förderte, woraus dann die sechs Punkte resultieren. Fraglich ist jedoch, ob man solchen Studien überhaupt trauen kann- denn es ist eigentlich in keiner Weise zu pauschalisieren, dass eine Mutter die nicht stillt weniger klug ist, als jene, die ihrem Baby die Brust geben.

Ganz davon abgesehen ob die Intelligenz des Babys durch Muttermilch steigen könnte, stillkissen-stillmuff.jpgwas, sollte es voll und ganz wissenschaftlich belegt werden, sicher zum Totschlag-Argument der Stilllobby degradiert wird, bietet das Stillen dem Baby tatsächlich mehr als die reine Nahrungsaufnahme. Es spendet ihm Trost und Rückhalt in einer ihm völlig fremden, Welt, die es erst noch kennenlernen muss. Durch Nähe und Körperkontakt zur Mutter fühlt das Baby sich geborgen und schafft eventuelle Ängste zu überwinden. Das Stillen fördert dementsprechend auch die Mutter-Kind-Bindung und sorgt dafür, dass diese sich verfestigen und weitergehend stabilisieren kann. Hier ist allerdings interessant, dass die Stilltätigkeit an sich, ungeachtet der inhaltlichen Zusammensetzung der Muttermilch, den Charakter des Kindes tatsächlich beeinflusst. Diese Beeinflussung kommt zumeist durch das Füttern und die Reaktionszeit auf die kindlichen Bedürfnisse zustande. Wenn das Kind beachtet und sensibel betreut wird, legt die Mutter damit das Fundament für das spätere Selbstvertrauen des Kindes. Es bekommt dadurch suggeriert, dass es beachtet wird, wenn es sich äußert und mit seinem Verhalten etwas bewegen kann. Eine solche frühkindliche Prägung durch die primären Bezugspersonen nimmt Einfluss auf die spätere Lebens- und Beziehungsqualität des Kindes.


fragezeichenWas haltet ihr vom Stillen? Ist es für euch selbstverständlich oder habt ihr teilweise Bedenken? Findet ihr, dass Stillen die Mutter-Kind-Bindung fördert?

Wir freuen uns über eure Antworten. Das HOBEA-Germany Team wünscht euch weiterhin viel Spaß beim Lesen und Kommentieren!

 

4 Gedanken zu „Alleskönner Muttermilch? – Wissenswertes rund um’s Stillen“

  1. Ich finde schon, dass die Zeit beim Stillen und der Akt an sich die Mutter Kind Bindung stärkt und fördert.

    Diese Intensivität und Intimität an Körpernähe verschafft ein schönes Gefühl. Man ernährt sein Kind mit seinen eigenen Mitteln und weiß, das es für das Baby gut ist. man ist verantwortlich für ein so kleines Wesen und achtet somit auch auf sich selbst.

    Dieses Gefühl kann einem nicht genommen werden und ist etwas ganz besonderes :)

  2. Vielen Dank für diesen tollen Blog-Beitrag!! Ich kann das hier Erwähnte nur bestätigen: Stillen ist nicht nur aus gesundheitlichen Aspekten sinnvoll, sondern stärkt auch das Urvertrauen des Kindes, was für die spätere positive Entwicklung unentbehrlich ist…außerdem ist diese traute Zweisamkeit zwischen dem Zwerg und der Mama einfach wunderschön… :-) <3…genießt die Zeit, denn sie kommt nie wieder!! Ich mag es einfach, mich in Ruhe ins Stillkissen zu kuscheln und nah bei dem Kleinen zu sein.

  3. Unser Kleiner ist nun 1 und wir stillen noch – ein Ende ist nicht in Sicht! Wir beide lieben es. Aller Anfang ist schwer, ich hatte mit wunden Brustwarzen, der Kleine mit dem ein oder anderen Schub und damit einhergehender teilweiser Verweigerung des Stillens zu kämpfen. Je älter er wird, desto schöner finde ich es! Danke für den Beitrag! :)

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